Ein terminologisches Dilemma – die Zeitschrift

Magazine Pile

Bei der Grundlagenrecherche des Untersuchungsgegenstandes meiner Diplomarbeit stieß ich auf ein interessantes Phänomen der deutschen Sprache, welche man als Normalbürger kaum realisiert. Es geht um das sog. “terminologische Dilemma” des Begriffs “Zeitschrift” (synonym darf der Begriff “Magazin” verwendet werden). Zu dieser Mediengattung hat es in der Forschung wohl immer wieder Versuche der Definitionsfindung gegeben und immer wieder sind Publizisten und Wissenschaftler daran gescheitert bzw. war man mit den Definitionen nicht zufrieden. Warum?

Der Grund für diese Probleme liegen einerseits in der inhaltlichen Nähe zur ZeitUNG. Im umgangssprachlichen Alltag verwendet man nämlich häufig Zeitschriften als “Zeitung” (passiert wirklich oft, ihr müsst mal darauf achten!). Weiterhin tauchen Zeitschriften in höchst unterschiedlichen und zuweilen ungewöhnlichen Erscheinungsformen auf. Daher fallen Definitionen einerseits zu spezifisch aus und schließen dann nicht alle Zeitschriften ein oder aber Deutungsversuche fallen strotzen vor Allgemeinplätzen und man könnte jeden Flyer und das regulär gekaufte Klopapier mit Sprüchen als Zeitschrift identifizieren ;)!

Immer wieder aber wird die Schuld den Laien zugeschoben (also uns?!). Selbst für den Oberbegriff der Publikationsarten (Zeitung, Zeitschrift, Wochenblatt, Werbeschrift) verwenden wir häufig “Zeitung”. “Trotz ihrer inhaltlichen und systematischen Vielfalt muss die Zeitschrift heute immer noch als ‘Leidtragender’ dieser sprachlichen Ungenauigkeiten bezeichnet werden.” (Gerlach 1988 )

Apropos Definitionen: eine besondere Art der Umgangsweise entwickelten einige Publizistikforscher bereits in den 30er-Jahren – nämlich eine sogenannte “Anti-Lösungs-Philosophie”. Was das bedeutet? Man klassifizierte einfach alles als Zeitschrift, was NICHT Zeitung war. Da hat man es sich auch leicht gemacht ;):

„Als Zeitschrift sollen […] alle periodischen Druckwerke mit kontinuierliche Stoffdarbietung gelten, die mit der Absicht eines unbegrenzten Erscheinens mindestens viermal jährlich herausgegeben werden, soweit sie keine Zeitung sind.“ (Lothar Hake)

In Kürze folgt die heute übliche Definition der Zeitschriften, aber genug theoretischer Stoff für den heutigen Tag! Ich ziehe mich jetzt mit einer interessanten ZeitSCHRIFT zurück und wünsche Euch allen einen angenehmen Start in die neue Woche!

Quelle Bild: Moco_loco auf FLICKR